Was
ist ein Implantat?
Wie wird ein Implantat in den Kieferknochen
eingebracht?
Wie lange muss nach der Zahnextraktion
auf die Implantation gewartet werden? Sofortimplantation – Spätimplantation?
Wie lange muss ein Implantat im Knochen
einheilen?
Was passiert nach der Einheilphase?
Was sind die gängigen Indikationen
für eine Implantation?
Was passiert, wenn zu wenig Kieferknochen
vorhanden ist?
Zukünftige Entwicklungen
Implantate ersetzen natürliche Zahnwurzeln in zahnlosen Kieferabschnitten. Sie dienen als Verankerung für Kronen, Brücken und Prothesen
Die heute gängigen
Implantate sind Schrauben, die in Form und Größe in etwa einer Zahnwurzel
entsprechen. Als Werkstoff zur Herstellung von Implantaten werden Materialien
verwendet, die eine Einheilung im Knochen (Osseointegration) ermöglichen.
Der am häufigsten verwendete Werkstoff ist Titan.
Seit der Einführung von Implantaten in der Zahnheilkunde hat sich diese
Methode des Zahnersatzes rasant entwickelt. Einzelzahnlücken, zahnlose
Kieferabschnitte und vollkommen zahnlose Kiefer werden routinemäßig
Implantat getragen versorgt.
Wir verwenden in unserer Praxis hauptsächlich 3 Implantatsysteme, die weltweit zu den gängigsten gehören. Alle Systeme basieren auf jahrzehnte langer Entwicklungsarbeit und klinische Erfahrung in der Anwendung
Wie wird ein Implantat in den Kieferknochen eingebracht?
Implantate werden systemabhängig,
standardisierten chirurgischen Techniken folgend, in den Kieferknochen eingebracht.
Der chirurgische Eingriff erfolgt in der Regel in lokaler Anästhesie und
ist unter normalen Umständen nicht belastend. Der Schweregrad und die Dauer
der Operation hängt vor allem vom Knochenangebot am Implantationsort ab.
Für den Erfolg einer Implantation ist Sterilität ein wesentlicher
Faktor. Implantate müssen steril in den Kieferknochen eingebracht werden.
Die Vorbereitung eines sterilen Operationsfeldes ist ein entscheidender und
sehr aufwendiger Teil des chirurgischen Eingriffes. Der Patient wird steril
abgedeckt und Operateur und Assistenzen sind steril gekleidet.
Wie lange muss nach der Zahnextraktion auf die Implantation gewartet werden? Sofortimplantation – Spätimplantation?
Grundsätzlich kann man ein Implantat sofort nach der Zahnextraktion in den Bereich der Extraktionsalveole setzen (Sofortimplantation). Voraussetzung ist ein entzündungsfreier Zustand und entsprechende Knochenverhältnisse. Beim Standardvorgehen wartet man die Ausheilung des Zahnbettes (zumindest 3 Monate) ab (Spätimplantation). Der Nachteil einer Spätimplantation ist, dass der zahnlose Kiefer zunehmend an Substanz verliert und sich damit die Voraussetzungen für eine Implantation verschlechtern. Ein gängiger Mittelweg ist das Abwarten der Weichteilheilung über dem Zahnbett (etwa 8 Wochen – verzögerte Sofortimplantation)
Wie lange muss ein Implantat im Knochen einheilen?
Die Dauer der Einheilphase
nach der Implantation liegt zwischen 0 und 6 Monaten und hängt hauptsächlich
vom vorhandenen Kieferknochen ab. Je mehr ortständiger Knochen vorhanden
ist, desto stabiler ist das Implantat beim Setzen und desto kürzer ist
die Einheilphase. Die Einheilphase dauert im Maximum 6 Monate. Moderne Techniken
und Entwicklungen können die Einheilphase bis zu einer Sofortbelastung
der Implantate verkürzen.
Ziel der Einheilung ist die so genannte Osseointegration des Implantates im
Kieferknochen. Sie ist die Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung.
Unter Osseointegration wird ein direkter Verbund zwischen Knochengewebe und
Oberfläche des Implantates verstanden.
Was passiert nach der Einheilphase?
Im Rahmen der sogenannten Implantatfreilegung wird das Zahnfleisch über dem eingeheilten Implantat entfernt und einen Heilschraube, die durch das Zahnfleisch herausreicht, wird auf das Implantat geschraubt. Nach etwa 2 Wochen ist das Zahnfleisch um das Implantat soweit abgeheilt, dass mit der prothetischen Versorgung begonnen werden kann. Auf dem Implantat können durch Zementierung oder Verschraubung Kronen, Brücken und Prothesen verankert werden.
Was sind die gängigen Indikationen für eine Implantation?
Was passiert, wenn zu wenig Kieferknochen vorhanden ist?
Um die Einheilung eines
Implantates zu erreichen, muss das Implantat beim Setzen allseits von einem
Mindestmaß von 1 – 2 mm Knochen umgeben sein.
Am zahnlosen Kieferknochen kommt es durch Funktionsverlust, durch Stoffwechselveränderungen,
durch lokale entzündliche Reize zu Knochenverlust und auch Abnahme an Knochenqualität.
Ein optimales Implantatlager steht dann nicht immer zur Verfügung.
Abhängig vom Ausmaß des knöchernen Abbaues müssen vor oder
im Zuge des Setzens von Implantaten Knochendefekte rekonstruiert werden.
Zum Knochenaufbau stehen körpereigene (autogene) Knochentransplantate aus
verschiedenen Spenderregionen und als Alternative unterschiedliche Knochenersatzmaterialien
zur Verfügung.
Zu den Knochenersatzmaterialien gehören speziell bearbeiteter menschlicher (allogener) oder tierischer (xenogener) Fremdknochen oder verschiedene synthetische Knochenersatzmaterialien. Da implantologische Eingriffe in der Regel ambulant in der zahnärztlichen Praxis durchgeführt werden und zusätzliche Eingriffe zur Entnahme von autogenen Knochentransplantaten teilweise technisch aufwendig und für den Patienten belastend sind, haben sich Knochenersatzmaterialien als einfachstes Mittel vor allem zur Rekonstruktion kleiner Defekte in der klinischen Anwendung bewährt und im Praxisalltag weit verbreitet. Sie dienen dabei als Platzhalter und Leitstruktur für den aus dem umgebenden ortständigen Knochen in den Defekt einwachsenden Knochen. Die Knochenersatzmaterialien werden allerdings nur langsam durch körpereigenen Knochen ersetzt. Teilweise sind es auch resorptionsbeständige Materialien, die im augmentierten Implantatlager liegen bleiben. Die jahrelange Persistenz dieser Materialien könnte die immunologische Stabilität des Implantatlagers beeinträchtigen.
Körpereigene (autogene) Knochentransplantate:
Vor allem bei ausgedehnten Defekten ist das autogene Knochentransplantat
aufgrund seiner besseren biologischen Eigenschaften und als körpereigenes
Material der „Goldstandard“.
In der Implantologie kann für den Großteil der Defektrekonstruktionen
ausreichend Knochen direkt vom Unterkiefer entnommen werden. Für kleinste
Defekte reicht auch der bei der Präparation des Implantatbettes anfallende
Bohrstaub.
Größere Kieferkammdefekte können auch Knochenentnahmen vom Schienbein
oder von der Beckenschaufel notwendig machen. Knochenentnahmen vom Becken können
nur unter stationären Bedingungen erfolgen und setzen eine Intubationsnarkose
voraus.
Die Knochenentnahme vom Schienbein ist im Gegensatz dazu ein relativ einfaches
Vorgehen, dass in lokaler Anästhesie und unter ambulanten Bedingungen möglich
ist. Die Methode ist auch komplikationsärmer und die Patienten haben postoperativ
weniger Beschwerden.
Fallbeispiele
In jüngster Zeit versucht man durch die lokale Anwendung von Wundheilungsfaktoren
und Wachstumsfaktoren das Knochenregenerationsergebnis zu verbessern bzw. die
knöcherne Rekonstruktion zu beschleunigen. Auch die Bestrahlung des Knochenaufbaues
mittels Softlaser wirkt beschleunigend auf die Knochenheilung.
Stammzellanwendung bzw. Techniken des sogenannten Tissue Engineering haben das
Ziel auf eine den Patienten belastende Knochenentnahme verzichten zu können.
Allgemein kann gesagt werden, dass es prinzipiell auch bei extremem Kieferabbau
in jedem Fall möglich ist eine implantatgetragene prothetische Behandlung
möglich zu machen. Trotz erweiterter Indikationen liegt der Therapieerfolg
bei Implantatversorgungen bei über 90%. Wenn man die teilweise, vor allem
für den Patienten, aufwendige und belastende Behandlung und die anfallenden
hohen Kosten außer Acht lässt, kann man dem Patienten mit einer Implantatversorgung
sowohl aus funktioneller als auch ästhetischer Sicht ein Ergebnis mit höchstem
Komfort gewährleisten.